van Ackeren

1701 muss der junge, tiefreligiöse, dem Pietismus anhängende Pieter van Ackeren Amsterdam verlassen, er wird der Ketzerei beschuldigt. Nachts hatte man ihn aus dem Bett geholt und vor den Rat zitiert, er habe sich in Zirkeln getroffen, ein Traktat verfasst. Seine wohlhabende Familie hat ihm daraufhin eine Einladung in die Brüderkolonie Suriname besorgt und eine Schiffspassage auf der „Marije van Flanderen“ dorthin, der niederländischen Kolonie in Südamerika. Das Reisen soll ihn läutern. Auf der Überfahrt begegnet er  Seeleuten, mitreisenden Forschen und Abenteurern, einem Reeder. Er wird auf dem Schiff auch mit dem Sklavenhandel und der Sklavenfracht des Schiffes konfrontiert, Männer und Frauen, „prachtvolle junge Stuten“ so ein Mitreisender, die gewiss ihre Käufer finden werden. Er lernt dabei auch die junge stumme Anna kennen, die sich, damals nicht unüblich, als Kolonistenbraut verkauft hat und in Neu-Niederlanden verheiratet werden soll. Bereits hochschwanger an Bord gekommen bringt sie während der Überfahrt ein totes Kind zur Welt. Van Ackeren  muss es taufen bevor es der See übergeben wird. Er fühlt sich seltsam zu Anna hin gezogen, ihr Schicksal rührt ihn, mehr als seine strenge Gottesfurcht es eigentlich zulässt. In Suriname angekommen begegnet er Sklavenhändlern, Kolonisten, Abenteurern, Forschern, Siedlern, Missionaren. Darunter auch der Malerin Maria Sybilla Merian, die später, zurück in Europa, ein berühmtes Insektenbuch erschaffen wird. Auf seinem Weg ins Landesinnere zur Brüderkolonie wird er von aufständischen Sklaven entführt und kommt auf seiner gelungenen Flucht bis ins Quellgebiet des Orinoko und in spanische Gebiete. Endlich wieder an der Küste heuert er auf dem Schoner „Bloem“ an, der kurz darauf bei einem abenteuerlichen Manöver von einer englischen Fregatte aufgebracht wird. Jetzt ist er englischer Seemann. Nie geht ihm bei dieser Reise Anna aus dem Kopf.

DIE ABENTEUERLICHE REISE DES PIETER VAN ACKEREN IN DIE NEUE WELT, die Reise des biederen, grad mal 22-jährigen Bürgersohnes aus Amsterdam in die Realität der Kolonialzeit, ist ein wuchtiger historischer Roman, der es nie verbergen kann, sein Autor weiß worüber er schreibt ist er doch studierter Völkerkundler, Paläanthropologie und Mediziner. Authentisch und spannend erweckt der Roman einen Teil der niederländischen Kolonialgeschichte, gleichzeitig ja auch europäische Geschichte, farbenfroh zum Leben, mit all ihren schrecklichen, allzu gerne verdrängten, aber auch spannend zu lesenden, Auswüchsen wie die Sklaverei, Gewaltexzessen, Grausamkeiten, der Verachtung der Ureinwohner der „entdeckten“ Länder, dem Missionieren mit Feuer und Schwert. Prachtvoll schildert er aber auch die unbändige Natur in all ihrer geheimnisvollen Schönheit, bedrohlichen Geheimnissen und Gefahren. Immer wieder unterbricht er die Schilderung mit den Notizen und tiefreligiösen Gedanken des Pieter van Ackeren. Ein Reise- und Abenteuerroman, gespickt mit vielen historischen und sprachlichen Details, starken Figuren, erfundene und historisch verbürgte, Stoff für viele Schmökerstunden.  

Gustav Förster

Braun, Meinrad
Emons Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783740801670
16,95 € (inkl. MwSt.)
Kategorie:
Spannung